09.09.2015 - Ötztaler Radmarathon
erstellt von Manuel Enderle am 09.09.2015 20:15

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Steffen und Martin beim Ötztaler Radmarathon

Ende August stand mit dem Ötztaler Radmarathon ein Highlight für Steffen und Martin auf dem Programm. Beide haben sich zum Ziel gesetzt, die bisherigen Bestzeiten zu unterbieten und die Qualifikation für den ersten Startblock einzufahren, was eine Zeit unter 8:20 h bedeutet.

Während Steffen seine Saisonplanung eher auf gute Platzierungen bei Straßenrennen und Kriterien ausrichtete, war dies für Martin der Saisonhöhepunkt mit gezielter Vorbereitung auf diesen Event. Dennoch gingen beide mit voller Motivation, das Beste herauszuholen, an diese Herausforderung.

Im Jedermann-Radsport ist der Ötztaler Radmarathon sicherlich der bekannteste und prestigeträchtigste Event. Perfekte Organisation und abgesperrte Straßen, die sehr anspruchsvolle Streckenführung in hochalpiner Umgebung locken jedes Jahr über 4000 Teilnehmer ins Ötztal. Leider führt das Prestige, dieses oder andere Jedermann-Events auf vorderen Positionen zu beenden, inzwischen auch dazu, dass mit unerlaubten Mitteln nachgeholfen wird. In letzter Zeit wurde mehreren Siegern und Podiums-Platzierten Doping nachgewiesen. Aber das ist ein anderes Thema.

Um bei 4000 Teilnehmern nicht ganz hinten in der Startaufstellung zu stehen, hieß es für die beiden früh aufstehen. Sehr früh. Um 4:30 klingelte der Wecker. Nach Frühstück und Einkleidung ging es dann in die Startaufstellung um festzustellen, dass alle anderen ihren Wecker wohl auf 3:30 Uhr gestellt hatten. Egal, die Zeit beginnt erst ab dem Überfahren der Startlinie zu laufen, und ab da heißt es Feuer frei. Steffen hat in der Abfahrt nach Ötz gleich mal richtig Gas gegeben, und die 4. schnellste Zeit von allen Teilnehmern gefahren und sich somit schon mal vor dem Anstieg zum Kühtai nach vorne gearbeitet. Auch Martin konnte hier gleich viele Positionen gutmachen. Dennoch staut es sich auf den ersten 2 km im Anstieg zum Kühtai. Erst als sich der Anstieg etwas abflachte zog sich das Feld etwas auseinander und man konnte ohne Probleme den eigenen Rhythmus fahren. Der erste Anstieg war nach gut einer Stunde passiert und es ging in einer rasenden Abfahrt über das Sellraintal Richtung Kematen und Innsbruck. In den Abfahrten werden hier über 100 km/h erreicht. Ein gewisser Nervenkitzel ist schon dabei, bei diesen Geschwindigkeiten mit Leichtbau-Carbonlaufrädern über Weidegitter zu rasen. Aber für die beiden ist alles gut gegangen, sie konnten sich in einer großen Gruppe Richtung Brenner einsortieren. In dieser Runde kann man den Brenner eigentlich nicht als Pass bezeichnen, er wird mit einem ca. 30er Schnitt von Innsbruck bis zur Passhöhe gefahren. Erst am Ende zieht er auf ca. 1km etwas an. Oben angekommen sind beide etwa zeitgleich die Verpflegungsstation angefahren, um bei hochsommerlichen Temperaturen den Flüssigkeitshaushalt nicht zu vernachlässigen. Nach einer kurzen Abfahrt nach Sterzing ging es dann endgültig ans Eingemachte. Mit dem Jaufenpass und dem Timmelsjoch im letzten Streckendrittel ist man gut beraten, seine Kräfte für die 2900 hm gut einzuteilen. Der Jaufenpass lässt sich mit moderaten Steigungswerten noch recht gut bewältigen. Bis zur Passhöhe Jaufen waren Steffen und Martin noch in etwa gleich auf. Die ersten Rechenspiele im Kopf wurden durchgeführt, welche Zeit denn möglich ist. Unter 8 h waren kaum mehr drin, es sei denn es kommt die zweite Luft am Timmelsjoch, was aus Erfahrung heraus ausgeschlossen ist. Nach der anspruchsvollen Abfahrt vom Jaufenpass musste Martin in den ersten Pedalumdrehungen Richtung Timmelsjoch auch feststellen, das schon die ersten Krämpfe in den Oberschenkeln zucken. Nach einigen lockeren Tritten lief es zum Glück wieder rund. Der Anstieg zum Timmelsjoch lässt sich in zwei Abschnitte gliedern. Einen steilen, bewaldeten, der bis zur Verpflegung Schönau mehr als die Hälfte der gut 1700hm umfasst. Der zweite Abschnitt, ebenso steil, jedoch  nicht bewaldet und in hochalpiner Umgebung, umringt von Gletschern. Leider steht einem der Sinn nicht mehr nach Genießen der Landschaft. Man will nur noch oben ankommen, und überhaupt stellt man sich die Frage, ob dies der richtige Sport ist. Immer diese Qualen. Diesen Anstieg noch zu Ende fahren, und dann nie mehr diesen Sport treiben, auf jeden Fall keine solchen Anstiege in einem Radmarathon. Irgendwie schafft man es dann doch, im wahrsten Wortsinn mit „Tunnelblick“ erreicht man ein Flachstück und das schlimmste ist geschafft. Der letzte Kilometer durch den Tunnel bis zur Passhöhe rollt wieder. Und es geht in die finale rasante Abfahrt. Bis dann noch ein Gegenanstieg wartet, der wieder mit zuckenden Krämpfen passiert wurde. Olympiasieger Mario Kummer gibt unserer 5er Gruppe noch eine Lehrstunde in Abfahrtstechnik. Aber in den Flachstücken konnten wir in Gruppenarbeit wieder herankommen. Endlich ist Sölden in Sicht, es ist geschafft. Bei Zieldurchfahrt steht für Martin 8:10 auf der Uhr, abzüglich der Zeit bis zur Startüberfahrt war die Fahrzeit 8:06, was einen Gesamtplatz 140 bedeutet. Kurz darauf ist auch schon Steffen im Ziel, mit einer Zeit von 8:15 ist auch er unter den ersten 200 geblieben. Beide haben ihr Ziel erreicht, unter 8:20 zu bleiben und ihre persönlichen Bestzeiten einzufahren.
Die Gedanken, den Radsport aufzugeben sind zum Glück auch mit passieren der Ziellinie verflogen.

Sportliche Grüße

RSC Komet Ludwigsburg

 


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