Auf den Mount Everest und zurück
geändert am 07.07.2020 17:07 von Marc Zahnlecker

Der Corona-Lockdown und die damit verbundenen Gesundheitsvorschriften haben für die ambitionierten Radteams der Region und damit auch für das BikeBeat Racing Team des RSC Komet Ludwigsburg erhebliche Einschränkungen mit sich gebracht. Lange waren keine Teamtrainings und gemeinsame Ausfahrten im Sinne der Gesundheitsprävention möglich. Sämtliche Amateurradrennen in der Region mussten bislang abgesagt werden und aktuell stehen keinen Renntermine mehr für 2020 im Rennkalender. Der Auf- und Abstieg in höhere oder niedrigere Rennklassen wurde vom Bund Deutscher Radfahrer zuletzt vergangene Woche für das Rennjahr 2020 vollständig ausgesetzt. Ein verlorenes Jahr also für die ambitionierten Radsportler des RSC Komet? Mitnichten!


Nahezu alle Radfahrer haben eigenen Methoden gefunden, die mühsam antrainierte Form zu konservieren und die volle Leistung abrufen zu können, sobald wieder Radrennen stattfinden werden. Ein ganz besonderer Trainingsreiz hat Markus Ganzenmüller (28) vom BikeBeat Racing Team am vergangenen Sonntag (22.06.2020) gesetzt. Gemeinsam mit Hanna Lutz (28) und Robin Schelling (26) stelle er sich der sogenannten Everest-Challenge. Das Prinzip ist einfach: Man sucht sich einen Anstieg und fährt diesen solange auf und ab, bis in Summe die Höhenmeter des Mount Everest (8848) erklommen sind. Zuletzt hatte sich der Deutsche Meister und Viertplatzierte der Tour de France Emanuel Buchmann an dieser Challenge probiert und am Heimlerberg in Ötztal 7:42 für dieses Event verbucht. Auch für den Kletterprofi ein ambitioniertes Unterfangen, das er in der inoffiziellen Weltrekordzeit absolvierte. Ziel von Ganzenmüller, Schelling und Lutz war nicht der Angriff auf diese Zeit aber die Herausforderung diese Anstrengung überhaupt zu meistern.


Ein Zielberg, der Klosterberg in Horrheim mit etwa 10 % Steigung war schnell gefunden. Das Trio startete die Challenge am Sonntag früh um 3:45 Uhr. Der Klosterberg weist eine Länge von 1,96 Kilometer mit jeweils 198 zu absolvierenden Höhenmetern auf. Rechnerisch war damit als Vorgabe der Berg 47 Mal zu bezwingen. Zur Gesamtstrecke, kalkuliert mit Auf- und Abfahrt über 180 KM, kamen die angekündigten hohen Temperaturunterschiede von ca. 8 Grad am frühen Morgen bis zu 38 Grad in den Weinbergen am Spätnachmittag, die dem Trio eine zusätzliche Bürde auferlegte. Die Taktik war klar: Wer zu schnell fährt und die Kräfte nicht einteilt würde die Challenge in keinem Falle bestehen. Unterstützt wurden die Fahrer durch Begleiter, Freunde und auch Passanten, welche die Fahrer über den Tag (und die Nacht) verteilt anfeuerten. Eine permanente Verpflegung mit Energieriegel, Gels, Gummibärchen und Kuchen war damit immer sichergestellt. Auch um die für diese Arbeit in etwa benötigten 6.000 – 8.000 Kcal zu kompensieren. Nach über 17 Stunden auf dem Rad erreichten die drei Fahrer nach der 47 Auffahrt überglücklich das Ziel. Wie oft er denn an das Aufgeben gedacht habe wurde Ganzenmüller am Ende gefragt. „Gar nicht“ antwortete dieser ehrlich. „Wir wollten das unbedingt schaffen denn uns war klar, dass wir diese Strapazen niemals wieder auf uns nehmen würden, falls wir scheitern. Die Motivation für dieses Event gib es nur ein einziges Mal“. Einblick und Beweis für diese Leistung liefert Ganzenmüllers Radcomputer, der ein Stundenmittel von 12.3 KM/H bei einer Durchschnittsleistung von 170 Watt dokumentierte.

 

Was diese Leistung und dieser Trainingsreiz bewirkt, wird sich bei Ganzenmüller für die Rennen im Trikot des BikeBeat Racing Teams sicherlich und hoffentlich schon bald zeigen, wenn die ersten Radrennen wieder terminiert werden.

 

Fotos: Timo Naumann Sportfotografie


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